Zu Besuch bei Coimbra em Transição

15 Jul

Rob Hopkins startete 2006 die Transition Town Bewegung. Seit dem gründeten sich global über 1000 Transition Town Initiativen. Alle sind sehr unterschiedlich, so dass es sich schwer sagen lässt, was eine Transition Town Initiative ausmacht. Vielleicht ist es am ehesten der Wille eine andere Gesellschaft zu formieren, die nicht mehr auf Öl basiert, sich zumindest teilweise selbst versorgen kann und in der sich Nachbarn kennen und zusammenhalten. Ein ähnlicher Gedanke also, der an den über 1000 Orten ganz unterschiedlich gestaltet wird. Einer dieser Orte ist Coimbra in Portugal:

IMG_9579Obwohl es schon Oktober ist scheint die Sonne morgens um 11 Uhr schon ziemlich warm in den Jardim da Sereia in Coimbra. Dort warten Fred und ich auf Filipe. Wir haben uns mit dem Begründer der Transition Town Initiative Coimbra em Transição getroffen um Portugal mal von einer anderen Seite kennen zu lernen. Filipe führt uns durch den Park immer den Berg hinauf. Ganz am Ende kommen wir an einer Treppe an, die uns in einen wunderschönen Garten führt. Prallgrüne Beete strahlen uns an und dahinter entdecken wir niedliche Gebäude. Filipe fängt an zu erzählen, denn die Geschichte wie sie zu diesem Fleckchen Paradies gekommen sind, ist länger.

OLYMPUS DIGITAL CAMERACoimbra ist eine der ältesten Unistädte Portugals und voll mit jungen Bewohner*innen. Ungefähr im Jahr 2011 entschieden einige Studierende sich der Permakulturbewegung anzuschließen und eine Transition Initiative zu gründen. Im Botanischen Garten bekamen Sie ein paar Beete zur Verfügung gestellt und das Studierendenwerk unterstützte sie finanziell. Alles schien perfekt. Doch nach einiger Zeit mussten sie den Botanischen Garten verlassen. Damit begann die Odyssee neue Flächen zu finden. Schließlich hatten die Transitioner nicht nur eine Menge Pflanzen, die eine neue Heimat suchten, sondern auch viele Geräte und vor allem die Ideale der Permakultur in sich. Zwischendurch probierten sie sich mit Hochbeeten in der Nähe der Uferpromenade, doch nachdem die Stadt dort eine U-Bahn bauen wollte, mussten sie wieder weichen. 2014 verhandelten sie mit der Stadt um das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei und durften letztendlich tatsächlich die Fläche oberhalb des Jardim da Sereia beziehen.

Dort teilt sich Coimbra em Transição die Gebäude mit einer alternativen Schule und hat somit regelmäßig junge Besucher*innen in ihrem Garten. Darüber hinaus laden sie andere Nachbar*innen zum Mitgärtnern, Ernten und Essen ein. „Vor allem am Anfang des Jahres kommen viele Leute um mitzumachen.“, erzählt Filipe. Im Laufe des Jahres lässt das Engagement dann nach. Dass der Garten, im Gegensatz zu den alten Flächen im Botanischen Garten, öffentlich zugänglich ist, ist gleichzeitig Fluch und Segen. Filipe erklärt uns: „Es ist toll, wenn sich Leute in unseren Garten verirren und mit uns ins Gespräch kommen. Aber einmal hab ich auch eine ältere Frau dabei erwischt, wie sie unsere Beete aberntete. Ich erklärte ihr, dass wir hier gemeinschaftlich arbeiten und sie gerne ernten darf, wenn sie sich auch an der Gartenarbeit beteiligt. Aber sie kam nie wieder.“

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir schauen uns natürlich auch die Gebäude an. In einem alten Gewächshaus stehen nur noch ein paar vereinzelte Pflanzen. Dafür ist das kleine Häuschen dahinter voll mit Gerümpel… oder doch nicht? Alles steht voller Flaschen und Kanister. Die Aufklärung kommt sogleich „Wir brauen hier Bier und wollen versuchen, damit ein bisschen Geld für unsere Aktivitäten zu verdienen. In einer Woche fängt ein großes Studentenfest an, die Latada. Da wird fast soviel Bier getrunken wie bei eurem Oktoberfest. Wir wollen unser Bier beim großen Umzug verkaufen.“ Die erste Probebrauung habe hervorragend geschmeckt, schwärmt Filipe. Im Prinzip sei Bier brauen auch ganz einfach. Man braucht nur ein paar Zutaten, Kanister, Flaschen und ein bisschen Geduld.

Leider haben wir dafür keine Zeit, sondern müssen weiter zu unserem nächsten Reiseziel. Kompost TCDoch bevor wir gehen, schenkt uns Filipe noch einen paar Tomaten und Basilikum aus dem später ein vorzügliches Bruschetta wird. Und dazu gewinnen wir aus einer der Tomaten die Samen und probieren zur Zeit aus, ob die Tomate bei uns auf dem Balkon ebenso gut schmeckt wie in Portugal.

Wenn ihr in eurem Urlaub auch Abstecher zu den lokalen Transition Town Initiativen machen wollt, schaut mal auf https://transitionnetwork.org/initiatives/map vorbei. Vielleicht findet ihr ja eine, die sich anbietet. Das tolle daran ist, dass sich so auch Kontakte zu Locals und vielleicht der ein oder andere Tipp ergibt 😉

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Fotos by Fred

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