WeddingWandler zum Klimaretten in Paris

18 Dez

Nach der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen gab es auch in meinem Leben einen großen Frust und wenig Vertrauen in unsere sogenannten RepräsentantInnen. Statt in Depression zu verfallen habe ich dann aber die Transition Town Bewegung entdeckt und in unserer Nachbarschaft auch schnell ein paar Mitstreiter. So sind die monatlichen Filmabende bei uns („Filme für die Menschheit“) entstanden und dann auch die WeddingWandler. Die Überzeugung, dass ein wirklich nachhaltiger Wandel letztendlich von unten und am besten aus lokalen Gemeinschaften entsteht, ist bis heute tief in mir verankert. Trotzdem hat es mich in diesem Dezember noch einmal gereizt, nach Paris zu fahren und ein anspruchsvolles weltweites Abkommen für den Klimaschutz einzufordern.

Und tatsächlich war es eine sehr angenehme Erfahrung: Die französische Polizei, vor der wir eindrücklich gewarnt wurden, hat sich zurückgehalten und hat die beiden Demos am 12.12. letztendlich doch genehmigt. So waren wir ein bunter, kreativer Haufen von etwa 20.000 Aktivisten und es hat sich ein bisschen wie ein weltweites Familientreffen angefühlt.

DSC09202_1680x946Auch die Organisation auf dem Konferenzgelände war angenehm und unangestrengt. Von der Panik und dem Schockzustand, in dem Paris seit dem 13.11.befinde, hat man nur die hochgerüsteten Polizisten gesehen. Valeria und ich waren zu einem Bahai-inspirierten side-event „value-based environmental education“. Auf Transition-Sprach übersetzt wäre es „inner Transition“. Wirksamer Klimaschutz ist mit rein kognitiven Mitteln wohl nicht auf die Masse übertragbar. Viele Bewegungen suchen nun nach neuen Methoden und die Bahai-Gemeinde hat einiges parat. Vieles davon ist fast identisch mit Methoden der Transition-Bewegung: Nachbarschaftliche Kreise, abendliche Fortbildungskurse, Jugendgruppen etc.

DSC09273_1575x1050So, und was war nun in der eigentlichen Konferenzhalle los? Tatsächlich war man von den eigentlichen Verhandlungen abgeschnitten. Auch Informationen sickerten nur langsam durch. Als wir am Samstag auf den Straßen von Paris standen, ahnten wir aber schon, dass es doch ein Ergebnis geben wird. Um 18:30 Uhr fiel dann der Hammer und wir können einigermaßen froh sein:

  • Globale Politik ist vielleicht doch noch nicht ganz gescheitert
  • Im Vertrag steht sogar etwas von 1,5 Grad – das war für mich die größte Überraschung
  • Staaten wie Brasilien wollen mitmachen
  • Es gibt ein breites Verständnis vom Ende fossiler Brennstoffe

DSC09228_1574x1050Trotzdem ist damit natürlich noch nichts passiert. Paris konnte auch nicht mehr ergeben, als ein hoffnungsvolles Zeichen zu setzen. Es stehen viel Fragezeichen im Raum: Wie ernst meinen es einige Staaten? Hier steht das größte Fragezeichen wohl in den USA. Wie genau soll der Wandel gelingen? Wie wird überwacht und evaluiert? Welche ökonomischen Anreizmodelle wird es geben? Es gibt viele gute Gründe für Skepsis, aber eben auch mal ein kleines Fünkchen Hoffnung.

Nichtsdestotrotz müssen wir natürlich weiter machen, denn eben in solchen Nachbarschaften wird sich entscheiden, ob wir den Wandel hinbekommen oder ob urbanes Leben und Nachhaltigkeit weiterhin unvereinbar miteinander sind.

Euer Julian

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