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Bokashi – Kompost aus der Küche

30 Jul

Wer an heißen Sommertagen den Deckel des Mülleimers lüftet, kennt das Problem: Fruchtfliegen schwirren um welke Salatblätter oder Obstschalen, schlimmstenfalls bevölkern Maden die pampigen Essensreste. Spätestens wenn ein Hauch von Müllkippe durch die Küche weht, muss der Mief vor die Tür.

Viele Haushalte nutzen eine Biotonne. Die steht nur leider (vielleicht auch zum Glück) im Hof. Dank Biotonne sollen die Massen weggeschmissener Lebensmittel einem neuen Zweck zugeführt werden – als Kompost oder Biogas. So die Theorie.

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Eine Idee aus Japan macht es möglich, Küchenabfälle selbst zu fermentieren: Bokashi nennt sich die küchenfreundliche Variante des Komposthaufens. Dafür braucht man weder Biotonne noch einen eigenen Garten, sondern lediglich einen Bokashi-Eimer mit dicht schließendem Deckel und Zapfhahn/Ablauf, sowie einer Mischung aus Kohlepulver und effektiven Mikroorganismen.

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Mein selbst gebauter Bokashi-Eimer besteht eigentlich aus zwei Imbiss-Eimern, die ineinander gestapelt werden. In die Unterseite des einen werden Löcher gebohrt, damit Wasser abfließen kann. Der zweite Eimer fängt die Flüssigkeit auf. Über ein in die Seitenwand gefrästes Loch kann der Sud aus dem äußeren Eimer ablaufen und weiter verwendet werden. Wofür erkläre ich im Text.

Exkurs: Effektive Mikroorganismen (EMs)

Letztere sind eine Mischung aus Milchsäure, Hefen und Fotosynthesebakterien, die in Lebensmitteln wie Bier, Brottrunk, Joghurt und Sauerkraut natürlich vorkommen. An sich also nichts Besonderes. Allerdings hemmen diese nützlichen Helfer die Entstehung von Faulgasen und unerwünschten Schimmelpilzen.

Die Idee dahinter: Es gibt drei Arten von Mikroben, die ihre Umgebung beeinflussen. Die Gruppe der abbauenden Mikroorganismen sorgt dafür, dass organisches Material fault und zerfällt. Aufbauende Organismen tun das Gegenteil. Beide Gruppen sind zahlenmäßig eher klein. Die größte, dritte Gruppe sind die Opportunisten und folgt als solche immer der jeweils dominanten Fraktion.

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So nicht: Schimmel sollte beim Öffnen nicht zu sehen sein, aber dieser Bokashi-Eimer stand etwas länger als empfohlen. Die Zugabe von effektiven Mikroorganismen verhindert Fäulnis und Pilzbefall.

 

Gibt man also eine Menge regenerativer Organismen in Erdboden, Wasser oder auch den menschlichen Darm, können sie das Milieu günstig beeinflussen. Die gleiche Idee steckt letztlich hinter Joghurts mit probiotischen Kulturen: Günstige Bakterien sollen die ungünstigen verdrängen.

Dank effektiver Mikroorganismen kommt im Bokashi-Eimer jener Prozess in Gang, der auch Kohl in Sauerkraut verwandelt: Fermentierung. Der Prozess reichert den Biomüll mit Vitaminen, Enzymen und Antioxidantien an und macht ihn länger haltbar. Das Ergebnis stinkt und fault nicht, wie ein normaler Biomüll, sondern riecht leicht säuerlich. Und das auch nur dann, wenn man den Deckel anhebt.

Wie befülle ich einen Bokashi-Eimer?

Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Essensreste klein schneiden, in den Bokashi-Eimer geben und festdrücken. Gut geeignet sind rohe Obst- und Gemüsestücke (Zitrusfrüchte eingeschlossen), auch Gekochtes geht in kleinen Mengen. Selbst Fleisch, Knochen und Fisch lassen sich fermentieren, das dauert aber länger und kann Ungeziefer anziehen.

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Bioabfälle in den Eimer füllen

 

 

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Festdrücken

 

Anschließend die Kohlemischung über die Küchenabfälle streuen. Die zerbröselten Kohlestückchen binden Wasser und Gerüche. Danach sollte der Deckel fest verschlossen werden. Das Ganze wiederholen, bis der Eimer voll ist. Jede Schicht aus Küchenabfällen sollte nun mit der Holzkohlemischung bedeckt sein. Der Eimer wird luftdicht verschlossen und 4 bis 6 Wochen stehen gelassen.

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Deckel bis zur nächsten Füllung schließen

 

Gelegentlich solltet Ihr das Sickerwasser ablassen. Auch das lässt sich wieder verwenden. Verdünnt könnt Ihr den Bokashi-Sud als Flüssigdünger benutzen oder aber als biologischen Abflussreiniger, der die Rohre freihält.

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Löcher in die Unterseite des ersten Eimers bohren. In diesen werden später die Küchenreste gefüllt. Die Löcher verhindern Staunässe und Fäulnis.

 

 

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Abflussloch bohren, Durchmesser 18 mm.

 

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Ein Glaskorken aus der Weinflasche verschließt das Loch und kann einfach entfernt werden, um das Sickerwasser abzulassen.

 

Sammeln – Vergären- Vererden

Wer nach einem Monat einen Blick auf den fermentierten Inhalt im Eimer wirft, sollte keinen Schreck bekommen: Erde ist das noch längst nicht. Eher angegrautes Sauerkraut. Im nächsten Schritt gräbt man das sauer riechende Gemisch in Erde ein. Wer hat, gibt Kompostwürmer obendrauf und lässt das Substrat weitere 6 bis 8 Wochen in einem luftdurchlässigen Behälter/Sack oder unter der Erde ruhen. Alternativ kann man den Bokashi als Beschleuniger dem eigenen Kompost beimischen. Mit dem gewonnenen Humus können dann Topfpflanzen gedüngt werden – oder eben der Baum vor dem Haus.

 Weiterführende Links:

  • Bokashi, Mikrovergaser, Wurmkiste – Joachim macht nur tolle Workshops und teilte Abfall und geballtes Wissen mit uns. Mehr von ihm lest Ihr auf seinem Blog Kompostkreis.
  • Die Künstlerin Ayumi Matsuzaka beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit (ökologischen) Kreisläufen und hat eine Anleitung mit allen Arbeitsschritten hin zum funktionierenden Bokashi geschrieben und illustriert. Findet Ihr hier (auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch).

9 thoughts on “Bokashi – Kompost aus der Küche

  1. Liebe Anja,
    vielen Dank für Deinen Artikel – Du hast damit echte Pionierarbeit geleistet! Jetzt kann sich wer will Bokashi-Eimer bauen, darin Schnippelreste fermentieren und anschließend vererden. Die dadurch gewonnene torffreie Blumenerde ist eine wunderbare Alternative zur marktüblichen Erde aus dem Plastiksack. Wie Du weißt stehe ich den EMs recht kritisch gegenüber. Ich finde es geht auch ohne Zukäufe. Außerdem kompostiere ich lieber – aber da gibt es ja auch Vorlieben.
    Wie geht es mit Deinem Bokashi-Eimer – hast Du ihn fleißig gefüttert?
    Herzliche Grüße und eine schöne Ferienzeit,
    Joachim

    • Hallo Joachim,

      was ist Deiner Meinung nach die beste Qeulle für die EMs, wenn ich sie nicht kaufen möchte, bzw. für kleines Geld und dann selber weiterzüchten möchte? Also woher nehmen und was füttern?

      Danke.
      Ramona

  2. Lieber Joachim, das Kompliment gebe ich gern zurück! Der Pionier im Bokashi-Revier bist Du! Danke für Deine Anmerkungen. Mein Eimer macht gerade Sommerpause, so wie ich 🙂

    Ich wünsche auch Dir erholsame Sommertage und -nächte.
    Auf baldigst

    • Hallo Alex, entschuldige die verspätete Antwort.

      Beim Workshop haben wir einfache Weinkorken (wieder-)verwendet, die ein wenig zurecht gestutzt wurden, um ins Bohrloch zu passen. Im Weinhandel gibt’s die auch aus Glas, etwas schicker und für die, die den Kork lieber schonen wollen. Ich nutze beide Versionen, (noch , 2 Monate in Benutzung) halten sie dicht.

      Einen Zapfhahn findest Du sicher auch im Baumarkt oder Online. Da kann ich Dir nur leider nichts empfehlen. Hilft das?

      Liebe Grüße
      anja

  3. Hallo Alex,
    ich habe noch keinen Bokashieimer. Aber einen Ablaufhahn bekommt man wohl im Baumarkt. Aus Kostengründen würde ich mir auch gerne einen selber bauen, habe aber die Sorge, dass der Hahn nicht richtig dicht wird.
    Ferner sind die zu kaufenden Eimer wohl schon auf den Fermentierungsprozess vorbereitet, das sind die Mischeimer aus dem Baumarkt nicht. Wie sind eurr Erfahrungen mit den selbstgebauten Eimern?
    Viele Grüße
    Simone

    • Hallo Simone, auch Dich bitte ich um Entschuldigung für die späte Antwort.

      Ende des Monats mache ich den Eimer auf und lüfte das „wohl riechende“ Geheimnis. Weiß noch nicht, ob mein Ansatz gelungen ist. Dann schreibe ich wieder.

      Den ersten Eimer habe ich mit Brottrunk geimpft. Brottrunk enthält nur einen (geringer konzentrierten) Teil der Michsäurebakterien, die in regulär gekauften Effektiven Mikroorganismen vorhanden sind.
      Bisher riecht nichts, Flüssigkeit hat sich auch recht wenig gebildet, so viel hat mein Pfropfen also nicht zu tun. In einem zweiten Eimer sammle ich weiter Bio-Abfälle und bedecke sie mit stinknormaler Holzkohle. Aktivkohle wäre die Ideallösung, aber so verhindert es schon mal die Schimmelbildung.

      Liebe Grüße
      anja

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